Die Krebsvorsorge beim Mann
Eigentlich sollte man ja von einer Krebsfrüherkennung und nicht von einer Vorsorge sprechen, denn die Prävention von Tumoren kann natürlich nicht von medizinischen Untersuchungen erwartet werden. Im Gegensatz zu den Frauen die bereits ab dem 25. Lebensjahr zur Krebsfrüherkennung zum Facharzt (Gynäkologen) gehen neigen die Männer bei denen die Vorsorge ab dem 45. Lebensjahr angeraten wird eher zum "ich habe doch keine Beschwerden, also muss ich nicht zur Krebsvorsorge".
Steigt das Krebsrisiko mit dem Alter?
Das Risiko an Krebs zu erkranken, nimmt mit steigendem Alter zu. So zählen einige Tumorarten sogar zu "typischen" Alterskrankheiten, wie etwa das Prostatakarzinom. Bis zum 50. Lebensjahr erkrankten nach den Angaben des Robert-Koch-Instituts für das Jahr 2004 pro 100.000 Menschen in Deutschland rund 14 Männer, während in der Altersgruppe der über 75jährigen Männer etwa 760 von 100.000 erstmals betroffen waren. Zudem scheint der Prostatakrebs bei Männern unter 60 Jahren aggressiver zu wachsen, was die jährliche fachärztliche Beurteilung beim Urologen als sehr sinnvoll erscheinen lässt.
Prostatakrebs entsteht zumeist als Adenokarzinom in den hinteren, zum Enddarm hin gelegenen Anteilen der Prostata (Vorsteherdrüse). Große tumoröse Veränderungen
können daher meistens bei einer rektalen Untersuchung ertastet werden. Diese Maßnahme ist ab dem 45. Lebensjahr zusammen mit einer Untersuchung des äußeren Genitales, der Leistenlymphknoten und den Stuhlproben (ab dem 50. Lebensjahr) für Männer Bestandteil des Krebsfrüherkennungsprogramms der gesetzlichen Krankenkassen.
Die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) als wichtigen Tumormarker im Blut hat an Bedeutung zugenommen. Herausgelöst aus dem Verlauf - PSA Wert, Anstiegsgeschwindigkeit, den Vergleich zu weiteren PSA Unter-fraktionen- ist der alleinige Wert der PSA-Bestimmung als Screening- Maßnahme jedoch nach wie vor umstritten. In den letzten Jahren gesellte sich noch eine genetische Nachweismethoden (PCA 3 Test aus den Urin) dazu.
Um bei auffälligen Befunden eine Krebsdiagnose auszuschließen oder zu bestätigen, werden u.a. in Lokalanästhesie sonographisch gesteuert Probenentnahmen (Stanz-biopsien) aus der Prostata vorgenommen.
Neben dem positiven Effekt auf die krankheitsspezifische Mortalität (Sterblichkeit) (Schröder et al. 2009) ist jedoch auch zu bedenken, dass mit dem PSA-Screening zum Teil auch Tumoren entdeckt (und später behandelt) werden, die sonst weder Symptome verursacht noch die Lebenserwartung beeinträchtigt hätten (Überdiagnose).
Zu den Risikofaktoren für Prostatakrebs gehören fortgeschrittenes Lebensalter, genetische Prädisposition (insbesondere bei jüngeren Patienten), Lebensstilfaktoren wie fett und kalorienreiche Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel.
Therapieoptionen sind einzeln oder kombiniert offene oder laparoskopische Operation (Prostatektomie), Bestrahlung (von außen oder innen) und die Hormonblockade. Mögliche Nebenwirkungen der Therapien können u.a. Inkontinenz und Impotenz sein, resultierend können diese zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität Betroffener führen. Bei Risiko- , älteren, oder beschwerdefreien Patienten mit kleinen, auf die Prostata begrenzten Tumoren denkt man auch über Strategien des »aktiven Beobachtens« mit regelmäßigen Befundkontrollen nach.
(Preiß et al. 2008).
Überlebensraten
Mit ca. 58.500 Neuerkrankungen pro Jahr (2004) ist Prostatakrebs inzwischen in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Männern (bei diesen etwa ein Viertel aller Krebsneuerkrankungen).
Krebserkrankungen der Prostata verursachten 2004 11.135 Todesfälle. Dies sind ca. 25 % mehr als 1980 und etwa 10 % aller auf Krebs zurückzuführenden Todesfälle bei Männern.
Durch die jährliche Krebsfrüherkennung beim Hausarzt oder wegen der fachlichen Kompetenz für die Harn- und Geschlechtsorgane beim Urologen wurde seit 1990 ein Rückgang der Sterblichkeit um etwa 20 % verzeichnet.
Auch bei anderen urologischen Tumoren ist eine Früherkennung sinnvoll, nachfolgend sind zu nennen:
Hodenkrebs
Im Jahr 2004 erkrankten in Deutschland etwa 4.750 Männer an Hodenkrebs. Das mittlere Erkrankungsalter von 37 Jahren macht den Hodenkrebs zur häufigste Tumorerkrankung bei jungen Männern unter 40 Jahren. Im Jahr 2004 verstarben noch 190 Männer an Hodenkrebs. Die relativen 5-Jahres Überlebens-raten stiegen von 75 % mit Anfang der 1980er-Jahre aufgetretenem Hodenkrebs bis auf über 95 % bei Diagnosestellung nach 2000, dies kann vor allem auf den Einsatz von Cisplatin zur adjuvanten Chemotherapie zurückgeführt werden.
Hintergrund
Bei den bösartigen Tumoren des Hodens handelt es sich überwiegend um Keimzell-tumoren. Als gesicherter Risikofaktor für die Entstehung von Hodenkrebs gilt der Kryptorchismus (Hodenhochstand), selten auch eine genetische Disposition (familiär gehäuftes Auftreten) vorzuliegen.
Die Therapie besteht in fast allen Fällen zunächst in der operativen Entfernung des betroffenen Hodens, meist auch der regionalen Lymphknoten. Mitunter erfolgen noch eine Strahlentherapie oder eine Chemotherapie (sprunghafter Anstieg der Über-lebensraten beim Hodenkrebs nach Einführung von Cisplatin in der zytostatischen Therapie. Seit Beginn der 1980er-Jahre verbesserten sich die relativen 5-Jahres-Überlebensraten weiter von etwa 80 % auf über 95 % zu Anfang dieses Jahrzehnts.
Nieren und ableitende Harnwege
I2004 erkrankten in Deutschland etwa 10.700 Männer und etwa 6.500 Frauen an einem bösartigen Tumor der Nieren oder der ableitenden Harnwege.
Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten lagen zwischen 2000 und
2004 bei 66 % für Männer bzw. 67 % für Frauen.
Zum Nierenkrebs werden an dieser Stelle sowohl Krebserkrankungen der Niere selbst – also des Nierengewebes und des Nierenbeckens – als auch der Harnleiter und der Harnröhre gerechnet, wobei lediglich unter 10 % dieser Krebserkrankungen im Bereich von Nierenbecken und ableitenden Harnwegen auftreten. Zu den wichtigsten Risikofaktor zählen das Übergewicht, Nierensteine, Bluthochdruck oder Diabetes, phenacetinhaltigen Schmerzmitteln, ebenso Rauchen und Passivrauch-belastung. Die Risikofaktoren für Krebs des Nierenbeckens und der ableitenden Harnwege entsprechen weitgehend denen beim Harnblasenkrebs.
Primäre Therapie ist die vollständige Entfernung des Tumors, auch wenn die befallene Niere dadurch nicht erhalten werden kann. Chemo- oder Strahlentherapie versprechen wenig Erfolg einen guten Ansatz bieten dagegen die neuen Angio-genesehemmer (Tabletten).
Die Überlebensraten mit Nierenkrebs haben sich ausgehend von relativen 5-Jahres-Überlebensraten aktuell bis auf 66 % für Männer und 67 % für Frauen der Diagnosejahrgänge 2000 bis 2004 verbessert.
Bei der Krebsvorsorge werden die Sonographie der Nieren und ggf. die Urinuntersuchung (Hämaturie) eingesetzt.
Harnblase
Nach der Jahrtausendwende erkrankten pro Jahr etwa 21.000 Männer und 7.000 Frauen in Deutschland an Neubildungen der Harnblase (einschließlich in situ Karzinome und Neubildungen unsicheren Verhaltens).
Die aktuellen 5-Jahres- Überlebensraten in Deutschland lagen bei 76 % für Männer und 70 % für Frauen der Diagnosejahrgänge 2000 bis 2004.
Bei den bösartigen Neubildungen der Harnblase werden ausnahmsweise invasive (vollständig entwickelte) und oberflächliche (in situ) Karzinome sowie Neubildungen unsicheren oder unbekannten Verhaltens zusammengefasst, um den Langzeitverlauf besser beurteilen zu können.
Neubildungen der Harnblase gehen fast immer vom Urothel aus. Sie kommen häufig multifokal (gleichzeitig an verschiedenen Stellen desselben Organs) vor.
Tabakkonsum ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung von Blasenkrebs. Zudem auch bei beruflicher Exposition in der chemischen Industrie sowie der Gummi-, Textil- und Lederverarbeitung, bei Lack- und Lösungsmittelverarbeitung und im Friseurhandwerk.
In der Früherkennung bieten sich Urinschnelltest (NMP 22), Urinzytologie, Zystoskopie und Röntgenkontrastuntersuchung der oberen Harnwege an.
Zusammenfassung
Die zuvor benannten urologischen Tumore stellen trotz Verbesserung der Therapiemöglichkeiten im fortgeschrittenen Stadium immer noch ein beträchtliches Mortalitätsrisiko dar.
Eine jährliche Kontrolle ab dem 45. Lebensjahr reduziert dieses Risiko und die Langzeitfolgen deutlich.
Somit besteht der Rat an Ihren Ehemann, Lebenspartner, Vater, Großvater, Freund oder Bekannten zu appellieren sich einer Vorsorgeuntersuchung zu unterziehen.
